24-Stunden-Rennen / Bericht

was sonst kein Platz hat: Offtopic, Vorstellungen, Ungewöhnliches, Lustiges ...

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Bombenbert
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24-Stunden-Rennen / Bericht

Beitrag von Bombenbert »

Es war mein erstes, und sicher nicht letztes 24-Stunden-Rennen. Als die Sundaydriver mich vor 4 Wochen gefragt haben, ob ich deren Team verstärken möchte, habe ich nicht lange überlegt. Vielleicht haben ja auch ein paar Bremer Lust nächstes Jahr auf eine solche Erfahrung. Daher hier mal ein kleiner Rennbericht und wie es bei uns gelaufen ist.
In der Nacht von Freitag auf Samstag haben wir uns in Visbek getroffen. Wir, das waren Carsten Seewald, Axel Greis, Sebastian Menke, Lars Warn, Felix Wichmann, Thomas Wefringhaus und meine Wenigkeit. Um 6 Uhr waren wir in Luxemburg an der Strecke, viel zu früh, wie sich heraus stellt. Also nochmal kurz in die City auf der Suche nach einem McDonalds zwecks Frühstück. Es blieb beim Suchen, denn so früh hat leider nichts auf! Also zurück an die Strecke und erstmal genauer inspiziert. Freunde, die Strecke ist MEGAGEIL! Streckenlänge 310 m! Und dazu eine Steilkurve sowie eine "Cork-Screw" samt steiler Anfahrt.

Um 8.00 Uhr war dann Fahrerbesprechung, kurze Begrüßung, Hinweise zum Regelwerk und Verlosung der Fahrerlagerplätze und Plätze auf dem Fahrerstand. Um 8.30 Uhr wurden dann die Bausätze ausgegeben. Jeder bekam einen TT-01E incl. diverser Tuningteile wie Kugellager, Alu-Welle, 2°-Vorspurblock und einstellbare Spurstangen. Einen Carson CE-4 gab es ebenfalls und ein Speedgetriebe samt Ritzel. Die Karosse wurde bereits zwei Wochen zuvor an die Teams verschickt um Beleuchtung und Lackierung anzubringen. Bereits hier konnte man später die erfahrenen Teams erkenne, aber dazu später. Sobald das Auto fertig war durfte man trainieren. Wir hatten uns, wie die meisten, dazu entschieden nur ganz wenige Runden zu drehen. Immerhin sollte der Wagen noch 24 Stunden halten.

Um 12 Uhr war dann technische Abnahme. Alle Autos wurden auf einen Tisch gelegt und von jedem Team wurde ein TK bestimmt und die anderen Autos zu kontrollieren. Bei uns durfte ich diese Aufgabe übernehmen. Es wurde aber fast nichts gefunden. Bei einem Team dachte man, daß im vorderen Diff ein unerlaubtes Öl war, aber letztendlich hatte das Team lediglich falsch geschraubt. Unser Auto war selbstverständlich legal!

Pünktlich um 13 Uhr ging dann die Hatz bei bestem Sommerwetter los. Carsten fuhr die ersten beiden Stints und lag zeitweise auf Platz 3. Schade, daß das Rennen noch weiter ging, denn einige der Favoriten hatten in den ersten Runden ein wenig Probleme. Die Einheitsakkus waren ganz einfache LiPo’s von Conrad mit 4.000mAh und 20C, aber da es für alle gleich war gab es keine Probleme. Wir hatten irgendwann in der Nacht einen unserer fünf Akkus aussortiert, da er weder Leistung noch wirkliche Kapazität hatte. Im Regelfall hielt ein Akku zwischen 20 und 24 Minuten, je nach Fahrstil. Viel rollen lassen war ohnehin das Schnellste und möglichst die Finger von der Bremse, damit das Getriebe auch hält. In den ersten Rennstunden konnten wir uns in den Top-10 halten und fuhren auch sehr manierliche Zeiten. Gegen Nachmittag griffen dann auch unsere RC-Neulinge Thomas und Felix ins Lenkrad. Ehrlich gesagt hatten wir mit dem Schlimmsten gerechnet, aber die beiden haben ihren Job sehr gut erledigt und der Zeitrückstand war erträglich. Die Rundenzeiten lagen bei den Top-Teams bei 27 Sekunden mit vollem Akku und gingen dann um etwa eine Sekunde zurück. Bis spät in die Nacht lief es bei uns auch weiter extrem gut, vielleicht zu gut. Auf jeden Fall mußten wir um 1.00 Uhr den Motor wechseln, der erste war richtig platt. Mit dem neuen ging es dann los wie die Hölle. Es war mit Sicherheit der beste Motor im Feld. Selbst mit fast leerem Akku konnten wir auf der langen Geraden selbst an Top-Teams einfach vorbei fahren. Schade nur, daß es in der Nacht sehr kühl wurde und auch die Luftfeuchtigkeit anstieg, die Strecke wurde richtig glitschig und wir konnten die gute Motorleistung nicht wirklich umsetzen. Die Rundenzeiten stiegen um gute 2-3 Sekunden bei allen Teams an. Hinzu kam, daß der Motorwechsel uns etwa 25 Runden gekostet hat. So gegen 3.00 Uhr kann dann der zweite unplanmäßige Reparaturaufenthalt. Die Plastikverzahnung des Servohorns hatte sich verschlissen und wir mußten was Neues einbauen. Wir haben uns dann für ein Aluhorn entschieden, um auf Nummer sicher zu gehen, Die Reparatur hat dann leider weitere 37 Runden gekostet und wir waren ziemlich zurück gefallen. Erstaunlicherweise waren noch alle Teams im Rennen.
In den frühen Morgenstunden kam dann nochmal Hektik bei uns auf, denn der Wagen lag plötzlich wie ein Eimer, bei jedem Gasgeben dreht er sich. Also mal Reifen gewechselt und schnell alle Dämpfer gecheckt, war alles okay. Letztendlich war es die Strecke die sich dramatisch verändert hatte. Obwohl es nicht regnete und es langsam hell wurde, war die gesamt Bahn feucht. Als wir uns darauf eingestellt hatten ging es wieder und wir konnten bis zum Ende ohne Probleme durchfahren. Auch das ist für uns ein Lernprozeß gewesen, den wir bei einem eventuellem nächsten Rennen berücksichtigen werden.

Die Zeit zwischen 2.00 und 5.00 Uhr war am härtesten, wir waren alle komplett übermüdet. Man fuhr zwar ohne gröbere Fehler, aber wenn man nicht fuhr, überwältigte einen schon mal der Schlaf. Zumal es saukalt war. Ich mummelte mich mit drei Lagen Pullovern in einen Schlafsack ein. Man berichtete mir hinterher, daß ich auf keinerlei Zurufe reagierte und in meinem „Kokon“ wohl tatsächlich 15 Minuten Rem-Schlaf hatte…… Als es morgens wieder hell wurde war auch die Müdigkeit verschwunden. Und als die Strecke dann endlich wirklich trocken war gingen auch die Rundenzeiten wieder in den Keller. Natürlich nicht mehr ganz so schnell wie am Anfang. Denn zum Einen waren die Reifen nicht mehr neu (es gab höchstens drei Satz für jedes Team), zum Anderen ließen auch bei anderen irgendwann die Motoren nach und die Auto hatte ja auch schon gut gelitten. Bei der Gelegenheit fiel uns auf, daß unser Wagen von Anfang an so ziemlich der leiseste war und das auch bis zum Ende blieb. Ein guter Zusammenbau ist eben Gold wert. Erstaunlich auch, daß ein solches Billigauto eigentlich total klaglos alles mitmacht. Es wurde nicht viel repariert und die Dinge, die bei uns zu machen waren, hatten mit dem Bausatz ja nichts zu tun. Selbst Hauptzahnrad und Ritzel mußten nicht gewechselt werden.

Um 13 Uhr war dann Zieleinlauf. Ich hatte die Ehre die letzten beiden Akkus fahren zu dürfen. Und ganz ehrlich: Wir alle, die das Rennen überstanden hatten, fühlten uns als Sieger. Nach einer Minipause dann die Siegerehrung. Bis auf ein Team, welches irgendwann sein Material aufgebraucht hatte, waren alle anderen durchgekommen. Unsere Distanz belief sich auf über 800 km !!!
Mein Fazit: Immer gerne wieder. Es ist eine ganz spezielle Herausforderung, ein solches Rennen zu bestreiten. Natürlich haben wir keine Chancen gegen Leute wie Oliver Franke, Alex Piperato, Jens Bunge und wie sie alle heißen. Aber auch die müssen ja erstmal ins Ziel kommen ohne Probleme. Vielleicht sollten die Bremer sich das auch mal überlegen und ein Team zusammenstellen. Sieben Fahrer werden benötigt und der Kostenaufwand hält sich in Grenzen. Bei uns waren das incl. Benzin so rund € 100,-- pro Fahrer. Also Jungs: Zeigt mal, was ihr könnt. Ihr werdet es nicht bereuen.

Keep racing

Andreas
Zuletzt geändert von Bombenbert am 7. Mai 2013, 06:37, insgesamt 2-mal geändert.

Rossi
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Re: 24-Stunden-Rennen / Bericht

Beitrag von Rossi »

Hi Andreas,
Das klingt sehr gut...
Uwe hat in Schwanewede ein 12 Std.-Rennen angeregt. Meines wissens ist der Zuspruch sehr groß.
Einen Termin gibt es auch, hab ich gerade nicht im Kopf.
Wird bestimmt zeitnah hier im Forum gepostet.
Ansonsten ein schöner Bericht. Danke dafür

Gruß Folko

stefan heisterkamp
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Re: 24-Stunden-Rennen / Bericht

Beitrag von stefan heisterkamp »

Toller Bericht Andreas und ja,ich kann dir den Spass den du hattest voll Nachempfinden.Habe selber schon 3 -24 Std-Rennen gefahren.Es ist einfach nur geil und bringt einen wirklich an körperliche Grenzen. Vor allem, wenn man nur ein 3Mann Team hat und trotzdem Gewinnt. Interesse hätte ich schon da mal mit zu machen.

reggie
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Re: 24-Stunden-Rennen / Bericht

Beitrag von reggie »

Hammer Bericht... :D
"Erster"
Also ich wäre dabei 2014!
Brauch man nicht

Carsten
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Re: 24-Stunden-Rennen / Bericht

Beitrag von Carsten »

Hallo Andreas,

toller Bericht, vielen Dank. Du bist beim nächsten mal auch gerne wieder dabei. Für uns war es nun auch schon das dritte 24h Rennen. Da wir in unserem Verein ja nicht sooo viele Fahrer haben für die so ein Rennen in Frage kommt, sind wir meist auf die Hilfe externer Fahrer angewiesen. Letztes Jahr hatte uns Stefan Schomaker auch sehr gut unterstürtzt.

Wenn man mich bei der Siegerehrung oder auf der Heimfahrt fragt ob wir nächstes Jahr wieder starten: AUF KEINEN FALL! Aber mit ein paar Nächten Schlaf sieht die Sache wieder ganz anders aus. Mal sehen ob die anderen es auch so sehen, ich denke schon. Ein zusätzliches Bremer Team würde den Norden natürlich deutlich stärken.

Bis denn

Carsten

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